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USV IV - Wichtiger Sieg gegen Aufstiegskonkurrenten

USV4 20160117Marco Ruhs begrüßt die MannschaftenVor diesem Spieltag war ich aufgekratzt, richtiggehend nervös. Diesmal nicht aufgrund von Problemen mit der Mannschaftsaufstellung, diesmal aufgrund des Blickes auf die Tabelle. Es ging gegen den PTSV Halle II und damit gegen den direkten Konkurenten um den Aufstieg. Als Favorit hat man bei so einem Duell immer den psychologischen Nachteil des Gewinnen-Müssen. Gewinnt man dann, haben das alle so erwartet. Verliert man, hat man was falsch gemacht. Solche Weisheiten bringt Schach hervor.
Diesmal haben meine Jungs und "mein" Mädel in der Summe alles richtig gemacht. Das Ergebnis von 6, 1/2 zu 1, 1/2 Punkten lässt einen langweiligen Kampf vermuten. Dem war aber keineswegs so. Schon an der Dauer der Partien kann man das Ringen um jeden Punkt ablesen.
Als Erste war Andrea nach 2, 1/2 Stunden fertig. Sie hatte sich viel vorgenommen und war etwas enttäuscht mit Schwarz anzutreten. Eine richtige Siegchance sah sie nicht und willigte daher in die Punkteteilung ein.
Dann dauerte es nochmal ca. 1 Stunde bis weitere Ergebnisse fest standen.
Norbert gewann in einer sehr schönen Partie. Im Italiener gewann er irgendwie den f-Bauern (?) und dann waren plötzlich üble Verwicklungen auf dem Brett. Ich sah ständig Mattbilder auf beiden Seiten und hoffte, dass Norbert zuerst zum Zuge kommt. Nach einem Generalabtausch konnte der Gegner die Umwandlung eines Bauern nicht mehr verhindern und wollte sich daher den Rest nicht mehr zeigen lassen.
Bei mir kam Grünfeldindisch aufs Brett. Mit leichtem Entwicklungsvorsprung bot ich einen Bauern an (vergiftet) und bekam dafür schönen Angriff. Das Material bekam ich mit Zinsen (Läufer) zurück und letztendlich bekam ich auch den vollen Punkt. Eine anstrengende aber schöne Partie.
Peter wollte auch den vollen Punkt holen. Leider war er zu ehrgeizig und schlug Remisüberlegungen in den Wind. Er stellte Material ein und damit den Punkt. Hinterher war er mit sich nicht zufrieden, da ein Remis nie in Gefahr war und er sich auch einfach mit dem halben Punkt hätte zufrieden geben können. Aber das muss nicht sein. Jeder verkalkuliert sich mal und macht in einer scheinbar ruhigen Stellung einen ungenauen Zug.
Nach fast 4 Stunden endete dann Rene`s Partie. Rene zeigte wie man aus dem Nichts, nach und nach die Stellung verbessert, bis man zwangsläufig Material bekommt. Der Gegner verkürzte dann die Partie mit einem Geschenk. Für mich die schönste des Tages (obwohl die von Norbert, Jürgen und Michael durchaus auch sehenswert sind), weshalb ich die Partie hier wiedergebe/ kurz kommentiere. (Rene hat Schwarz)
1.) c4, e5 2.) Sc3, Sf6 3.) g3, c6 4.) Lg2, d5 5.) c:d, c:d 6.) d3, h6 7.) Sf3, Sc6 8.) 0-0, Le6 9.) a3, a5 10.) b3, Tc8 11.) Lb2, Ld6 12.) Tc1, 0-0 13.) Sb5 Lb8 14.) a4, Dd7 15.) Te1, Tfd8 16.) Sd2, Sb4 (Ich hatte hier von Weiß mit e4 gerechnet. Wozu soll sonst Te1 gut gewesen sein?) 17.) T:c8, T:c8 18.) Db1, Tc6 19.) Tc1, Dc8 20.) Sf1, Lg4 21.) f3, Ld7 (Von jetzt an spielt der weiße weißfeldrige Läufer nicht mehr mit.) 22.) Kh1, Se8 23.) Se3, Le6 24.) La3, Sd6 25.) T:c6, b:c6 26.) S:d6, L:d6 27.) Sc2, c5 28.) L:b4, c:b4 29.) d4, Dc3 30.) d:e5, L:e5 31.) Se1, d4 32.) Dc2, D:d1 Schach und Aufgabe (Auch ohne den Fehler Dc2 sieht die Stellung schlecht für Weiß aus. Die Bauern b3 und a4 werden das Brett verlassen und dann sind die schwarzen Freibauern schwerlich aufzuhalten. Der Sieg geht mithin auch ohne den letzten Fehler von Weiß völlig in Ordnung.)
Dann, nach Zeitkontrolle und fast 5 Stunden Spieldauer, gewann Jürgen seine Partie. Das war ebenfalls sehr schön anzuschauen. Im Endspiel hatte er erst einen Mehrbauern, dann war dies ein Freibauer, dann ein zweiter Mehrbauer.... Jürgen hat das systematisch ausgebaut. :-)
Micheal hatte sein Endspiel nach der Zeitkontrolle ebenfalls ein sehr gut behandelt. Lehrbuchmäßig ging er mit seinem König vor den Bauern in die Opposition und erzwang so den Weg zur Dame. Das hätte ich hier auch zeigen können.
Zum Schluss konnte auch noch Klaus seinen Punkt holen. Er holte im Mittelspiel irgendwie die Qualität (Springer gegen Turm) und konnte dies nach zähem Kampf in eine Mattdrohung verwerten. Zwei Züge vor dem Matt gab der Gegner dann doch auf.

Alles in Allem war dies dann doch ein schöner Spieltag. Ich hoffe die folgenden werden genauso spannend.